Ist der Weiße Sonntag dasselbe wie der Barmherzigkeitssonntag?
Ja. Es ist derselbe Sonntag: der zweite Sonntag der Osterzeit und letzte Tag der Osteroktav. „Weißer Sonntag“ erinnert an die weißen Gewänder der Neugetauften. Seit dem Jahr 2000 trägt der Tag in der Liturgie der Kirche auch den Namen „Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit“.
Der Auferstandene kommt durch verschlossene Türen.
Das Evangelium vom Sonntag der Barmherzigkeit beginnt bei verängstigten Jüngern hinter verschlossenen Türen. Jesus tritt in ihre Mitte und sagt ihnen Frieden zu.
Er zeigt seine Wunden. Der Gekreuzigte ist derselbe, der lebt. Seine Antwort auf Flucht, Versagen und Zweifel ist eine neue Sendung: Seine Jünger sollen Vergebung in die Welt tragen.
Barmherzigkeit gehört zum Ostergeheimnis. Am Kreuz nimmt Christus die Sünde auf sich; in der Auferstehung öffnet er neues Leben.
Weiß, weil ein neues Leben begonnen hat.
In der frühen Kirche trugen die in der Osternacht Getauften weiße Gewänder. Der deutsche Name „Weißer Sonntag“ bewahrt diese Erinnerung. Taufe, Vergebung und neues Leben gehören zusammen: Christus macht den Menschen neu und nimmt ihn in seine Kirche auf.
Seit 2000 heißt er auch Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit.
Papst Johannes Paul II. ließ im Jahr 2000 die Bezeichnung „Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit“ für den zweiten Sonntag der Osterzeit in den Römischen Kalender aufnehmen. Die vorhandenen liturgischen Texte blieben bestehen. Sie zeigen, dass Gottes Barmherzigkeit aus Tod und Auferstehung Christi hervortritt.
Faustinas Zeugnis steht im Osterzusammenhang.
Faustina berichtet in ihrem Tagebuch, Christus habe ein Fest der Göttlichen Barmherzigkeit am ersten Sonntag nach Ostern gewünscht. Diese Angabe gehört zur Privatoffenbarung. Der zweite Sonntag der Osterzeit und seine Liturgie bestehen unabhängig davon.
Johannes Paul II. stellte Faustinas Zeugnis bei ihrer Heiligsprechung ausdrücklich in den Osterzusammenhang. Kurz darauf erhielt der bereits bestehende zweite Sonntag der Osterzeit die zusätzliche Bezeichnung. Evangelium und Liturgie bleiben der Maßstab.